Franziska Reichenbecher, Dr.

S. Theorie und Ästhetik: Mediengebrauch: Begriffe, Geschichte(n), Perspektiven

Dozent:innen: Dr. Franziska Reichenbecher
Kurzname: S Theorie & Ästhetik
Kurs-Nr.: 05.155.16_530
Kurstyp: Seminar

Inhalt

Medien lassen sich über ihren Gebrauch erschließen. Im jeweils konkreten praktischen Umgang mit Medien zeigen sich Genealogien und Potentiale ebenso wie Unterschiede zwischen dem intendierten Gebrauch und der Eigendynamik von Medien. Medien sind selbst häufig Resultate von Zweckentfremdungen: Radio, GPS, Computer oder Internet etwa sind ursprünglich militärische Nachrichtentechniken. Mediale Praktiken im Bereich der sozialen Netzwerke gehen oftmals auf analoge Formen des Gebrauchs zurück: das Posten etwa auf das schon seit dem Mittelalter bekannte Anschlagen von Informationen an Kirchentüren, Dorflinden und später Schwarzen Brettern, das Liken auf das bereits im 19. Jahrhundert praktizierte Ausfüllen von 'Lieblingslisten' und das Format des Poesiealbums. Kontinuitäten und Diskontinuitäten in Formen des Mediengebrauchs lassen sich dabei nicht nur in Großerzählungen, sondern anhand von exemplarischen Fallgeschichten verfolgen. Indem der Blick hierbei auf das 'Wie' des Mediengebrauchs (nicht das 'Was' der Apparate) gerichtet ist, treten der Verfahrensaspekt des Hantierens mit Medien und die damit einhergehenden Kulturtechniken hervor.

Das Seminar widmet sich grundlegenden Praktiken und Operationen, die in verschiedenen medialen Formaten und Verfahren relevant sind. Das Spektrum reicht von schriftbasierten, audiovisuellen und akustischen Medien über räumliche und zeitliche mediale Logiken bis hin zu technischen und performativen Aspekten des Mediengebrauchs. Orientierung bietet dabei die systematische Begriffsarbeit des Historischen Wörterbuchs des Mediengebrauchs, dessen Einträge die geschichtlichen Hintergründe, diskursiven Konjunkturen und theoretischen Kontexte von ‚Medienverben‘ (etwa speichern, übertragen, lesen, schreiben, löschen, bedienen und adressieren) ausführlich erschließt. Die Lektüren werden gerahmt von weiteren grundlegenden Texten aus Mediengeschichte und -theorie (Kittler, McLuhan etc.) sowie zu den Konzepten 'Operation', 'Praktik', 'Kulturtechnik', 'Geste' und 'Gewohnheit', um ein fundiertes Spektrum an medienkulturwissenschaftlichen sowie interdisziplinär anschlussfähigen Forschungsperspektiven zu verschiedenen Formen des Mediengebrauchs zu geben.