Critical AI Studies. Perspektiven auf neue Technologien
Dozent:innen: Univ.-Prof. Dr. Gabriele SchabacherKurzname: Q+.3089
Kurs-Nr.: 00.Q+.3089
Kurstyp: Seminar
Voraussetzungen / Organisatorisches
Teilnahmevoraussetzungenkeine
Anforderungen
Voraussichtlich Übernahme von drei Textexpert:innenschaften
Inhalt
KI-Technologien umgeben uns überall. Automatisierte Überwachung, autonomes Fahren, Smart Homes, Robotik, Militärtechniksysteme. Nachdem Empfehlungsalgorithmen und Kommunikationsagenten personalisierte Angebote im Konsumbereich vorangetrieben hatten, markiert generative KI einen entscheidenden Umbruch: Die Nutzung der Systeme steht nun jedem offen, da ihr Interface keine Programmierkenntnisse mehr verlangt, sondern Ein- wie Ausgabe auf Basis natürlicher Sprache erfolgen können.Die Verwendung generativer KI wird durch ihre Einbettung in vorhandene Alltagskulturen und Arbeitskontexte gezielt durchgesetzt und normalisiert. Während sich die Antworten von generativen KIs den Anschein von ›Wissen‹ geben, erzeugen diese - anders als klassische Suchmaschinen - lediglich die wahrscheinlichste Antwort auf eine bestimmte Frage, wobei intransparent bleibt, woraus sie zusammengesetzt wird. Gleichwohl betonen Befürworter:innen, es handele sich lediglich um harmlose Tools, deren Einsatz kein Problem darstelle, wenn man sie nur ›richtig‹ gebrauche.
Das Seminar setzt dieser Verharmlosung eine medienwissenschaftliche Perspektive auf KI-Technologien entgegen, die der Verflechtung von Akteursgruppen, Interessen, Imaginarien, Diskursen und Materialitäten nachgeht. Dabei werden KI-Technologien nicht als ›unschuldige‹ Werkzeuge verstanden, sondern als wirkmächtige Infrastrukturen, die mit einem generellen Umbau von Subjektivität, Wissen und Macht einhergehen.
Im Seminar wollen wir uns mit der Technik und Geschichte von KI-Systemen beschäftigen sowie verschiedene Aspekte kritisch analysieren, die den aktuellen KI-Boom bedingen: die ökonomischen Zusammenhänge von Tech-Industrie, Libertarismus und Rechtpopulismus, die Futurismen, die sich mit dem technologischen Fortschritt verbinden, der Druck zur politischen Deregulierung vor dem Hintergrund eines vermeintlichen AI Race, die ökologische Dimension des Hypes sowie die damit zusammenhängenden Psychopathologien. Auf diese Weise will das Seminar eine Medienanalytik zur Verfügung stellen, um die Versprechen und Verflechtungen von KI-Technologien identifizieren und ihnen kritisch begegnen zu können.
Lernziele
Das zweistündige Seminar entfaltet in der Auseinandersetzung mit Fallbeispielen und Forschungsliteratur medienwissenschaftliche Perspektiven, um die Versprechen und Verflechtungen von Gegenwartstechnologien zu hinterfragen und zu verstehen. Auf diese Weise soll seine umfassende AI Literacy vermittelt werden, die sich nicht nur auf die Kenntnis von bestimmten Tools bezieht, sondern auf die Fähigkeit, die verschiedenen Akteure und Effekte der ökonomisch-politisch-gesellschaftlichen Gesamtlage identifizieren und einordnen zu können.
Zusätzliche Informationen
Gabriele Schabacher ist Professorin für Medienkulturwissenschaft am Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Von 2009 bis 2014 war sie wissenschaftliche Koordinatorin des DFG-Graduiertenkollegs »Locating Media« der Universität Siegen und von 2014 bis 2017 Professorin auf Zeit für Geschichte und Theorie der Kulturtechniken an der Bauhaus-Universität Weimar. Seit 2017 ist sie an der JGU und hat dort den Lehr- und Arbeitsbereich »Medienkulturwissenschaft« sowie Master-Studiengang »Medienkulturwissenschaft« aufgebaut. Seit 2021 ist sie stellvertretende Sprecherin des SFB 1482 »Humandifferenzierung« und leitet das Teilprojekt »Mobilitätstypen. Infrastrukturelle Humandifferenzierung im urbanen Straßenverkehr«; ebenso gehört sich zum DFG-Graduiertenkolleg "Techniken des Bezeugens" (seit 2025). Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Kultur- und Medientheorie, Mediengeschichte, Medialität von Infrastrukturen und Architektur, urbane Überwachungsregime (analog/digital), Mustererkennung und KI, historische Verkehrsforschung und Mobilitätspraktiken sowie Kulturtechniken des Reparierens. Ausgewählte Veröffentlichungen: Infrastruktur-Arbeit. Kulturtechniken und Zeitlichkeit der Erhaltung, Berlin: Kulturverlag Kadmos 2022; ; »AI and the Work of Patterns. Recognition Technologies, Classification, and SecurityV, in: Andreas Sudmann/Anna Echterhölter/Markus Ramsauer/Fabian Retkowski/Jens Schröter/Alexander Waibel (Hg.): Beyond Quantity. Research with Subsymbolic AI, Bielefeld: Transcript 2023, S. 123-154; »Human Activity Recognition. KI-basiertes Gatekeeping im öffentlichen Raum«, in: Franziska Reichenbecher und Gabriele Schabacher (Hg.): Medien des Gatekeeping. Akteure, Architekturen, Prozesse, Bielefeld: Transcript 2025, S. 287-327 (zusammen mit Sophie Spallinger)Termine
| Datum (Wochentag) | Zeit | Ort |
|---|---|---|
| 15.04.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 22.04.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 29.04.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 06.05.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 13.05.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 20.05.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 27.05.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 03.06.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 10.06.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 17.06.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 24.06.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 01.07.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |
| 08.07.2026 (Mittwoch) | 14:15 - 15:45 | P 101 (Philosophicum) |