
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zum 1. April 2026 ein neues Graduiertenkolleg (GRK) zum Thema »Techniken des Bezeugens. Zeugenschaft als mediale und kulturelle Praxis« an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ein. Das interdisziplinäre Kolleg untersucht, wie sich Zeugenschaft im Kontext digital vernetzter Medienumgebungen sowie aktueller kultureller und künstlerischer Diskurse verändert, und fragt zugleich nach den Folgen, die sich daraus für Kulturen der Gegenwart ergeben.
Beteiligte Wissenschaftler:innen des FTMK sind Prof. Dr. Chris Tedjasukmana (Sprecher), Prof. Dr. Čarna Brković, Prof. Dr. Gabriele Schabacher, Prof. Dr. Alexandra Schneider, Prof. Dr. Marc Siegel sowie Jun-Prof. Dr. Cecilia Valenti und Jun-Prof. Dr. Benjamin Wihstutz. Ferner beteiligt sind Prof. Dr. Matthias Krings und Prof. Dr. Franziska Fay (Ethnologie) sowie Prof. Dr. Linda Hentschel (Kunsthochschule).

Am Sonderforschungsbereich 1482 »Humandifferenzierung« (seit 2021) sind Projekte aus den Kultur- und Sozialwissenschaften der JGU sowie der Geschichtswissenschaft des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz (IEG) beteiligt. Sprecher des von der DFG geförderten Forschungsverbundes ist Prof. Dr. Stefan Hirschauer, stellvertretende Sprecherin ist Prof. Dr. Gabriele Schabacher.
Im Mittelpunkt des SFB steht die Forschungsfrage, wie Gesellschaften ihre Mitglieder kategorisieren und zuordnen und ihnen damit soziale Zugehörigkeiten und Identitäten nahelegen. Humandifferenzierung meint zunächst die Unterscheidung des Menschen von Tieren und Artefakten wie etwa Robotern, sodann die Einteilung von Menschen in Kategorien und Gruppen wie Ethnien, Nationen, Sprach- und Religionsgemeinschaften und schließlich die Unterscheidung aufgrund von Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Behinderung oder Leistung. Ziel des SFB ist es, eine allgemeine Theorie der Humandifferenzierung zu entwickeln und damit systematisch und historisch die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen diesen unterschiedlichen Typen der Kategorisierung und Differenzierung zu erforschen.

Die Medienkulturwissenschaft ist mit einem eigenen Projekt beteiligt. Das Teilprojekt C04 »Urbane Kontrollregime. Bahnhöfe als Infrastrukturen der Humandifferenzierung« (Leitung: Prof. Dr. Gabriele Schabacher, Mitarbeitende: Sophie Spallinger, M.A. und Dr. Tom Ullrich) untersucht, wie Verkehrsinfrastrukturen Menschen sortieren und klassifizieren.
Bahnhofsareale haben als öffentliche Kreuzungspunkte verschiedener Verkehrsströme einen erhöhten Bedarf der Regulierung von Menschenmengen. Auf der Basis einer kulturwissenschaftlichen Infrastrukturanalyse kontrastiert das Projekt die Kontrollregime der Pariser Bahnhöfe im 19. Jahrhundert mit Modellversuchen digitaler Überwachung im 21. Jahrhundert. Leitend ist dabei die Frage, wie Humandifferenzierungen (wie Klasse, Geschlecht, Devianz) sozio-technisch hervorgebracht und operativ stabilisiert werden.

Beteiligung an der Verbundforschungsinitiative »How is Artificial Intelligence Changing Science? Research in the Era of Learning Algorithms« im Programm »Artificial Intelligence and the Society of the Future« der Volkswagenstiftung.

Beteiligung an der Verbundforschungsinitiative »Transforming Infrastructure – Cultural Perspectives« an der Universität Konstanz.
Mini-Graduiertenkolleg »Zeugenschaft«
Das GNK-Graduiertenkolleg »Zeugenschaft. Episteme einer medialen und kulturellen Praxis« widmet sich dem Thema Zeugenschaft im Zeichen gegenwärtiger Umbrüche und fragt danach, auf welche Weise sich die epistemischen Bedingungen von Zeugenschaft aktuell verändern oder historisch verändert haben. Zeugenschaft wird dabei als eine mediale und kulturelle Praxis verstanden, die Wissen beglaubigt und legitimiert, aber dieses Wissen ebenso selektieren und manipulieren kann.
Sophie Spallinger: »Überwachung unter Testbedingungen« » Mehr erfahren
Susanne Wagner: »Die Beziehung zwischen Menschen und Dingen in postkolonialen Ausstellungen«
Lena Serov: »Das Projekt einer Wissenskultur. Populärwissenschaftliche Filme in der Sowjetunion der 1950er und 1970er Jahre«
Mona Wischhoff: »Projizierte Fotografien – koloniale Projektionen. Lichtbildervorträge der Deutschen Kolonialgesellschaft um 1900« » Mehr erfahren
Tom Ullrich: »Barrikaden. Mediengeschichte und Kulturtechniken des Revolutionären im Paris des 19. Jahrhunderts« » Mehr erfahren
Franziska Reichenbecher: »Medien der Gastlichkeit. Reinigungsarbeiten, Architekturen und Tischkulturen« » Mehr erfahren
Francis Hunger: »Die Form der Datenbank. Eine medien- und kulturtheoretische Historiographie«

Masterkonferenz »Doing Class. Medien des Klassifizierens«
15. Juli 2025. Konferenz des gleichnamigen MA-Projektseminars mit Dr. habil. Stephan Gregory externem Gast. Konzeption: Prof. Dr. Gabriele Schabacher und Dr. Franziska Reichenbecher. » Mehr

Workshop mit Mimi Sheller »Mobilities, Care, and Urban Control«
9. Dezember 2024. Internationaler Workshop mit Prof. Dr. Mimi Sheller (Global School of Worcester, USA) im Rahmen des SFB 1482. Konzeption: Prof. Dr. Gabriele Schabacher und Prof. Dr. Heike Drotbohm. » Mehr

Konferenz »Regimes of Mobility Control«
25. und 26. Mai 2023. Internationale Konferenz des Teilprojekts C04 »Urbane Kontrollregime« des SFB 1482, Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Konzeption: Prof. Dr. Gabriele Schabacher, Tom Ullrich, Dr. Asher Boersma und Sophie Spallinger. » Mehr

Masterkonferenz »Tier-Mensch-Relationen in der Gegenwartskultur«
14. und 15. Juli 2022. Konferenz mit Vorträgen von Studierenden sowie Lectures von Dr. Ina Bolinski und Dr. Mareike Vennen. Konzeption: Prof. Dr. Gabriele Schabacher und Tom Ullrich. » Mehr

Konferenz »gate | keeping – Akteure, Architekturen und Algorithmen«
19. und 20. November 2020. Konferenz der Medienkulturwissenschaft, Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Konzeption: Prof. Dr. Gabriele Schabacher und Franziska Reichenbecher. » Mehr

Workshop »Protestkulturen im Wandel. Medien, Materialität, Spektakel«
13. und 14. Juni 2019. Interdisziplinärer Workshop der Medienkulturwissenschaft mit Filmvorführung. Mit Prof. Dr. Ulrike Bergermann, Dr. Dr. Peter Ullrich und Karl-Heinz Dellwo. Konzeption: Tom Ullrich. » Mehr

DIS(S)-CONNECT I: Wie Medien uns trennen und verbinden
25. bis 27. April 2019. Interdisziplinäre Tagung der Doktorand:innen des FTMK. Konzeption, Organisation, Moderation: Franziska Reichenbecher, Dominique Conte, Laura Katharina Mücke, Yana Prinsloo und Dominic Zerhoch.
Magdalena Saryusz-Wolska forscht von September 2019 bis August 2020 als Humboldt-Forschungsstipendiatin am Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft. Sie studierte Soziologie, Film- und Kulturwissenschaft an den Universitäten Łódź, Gießen und Mainz. Sie promovierte 2008 an der Universität Łódź mit einer Arbeit über Repräsentationen urbaner Erinnerungsräume in Deutschland und Polen. Von 2010 bis 2015 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, anschließend forschte sie am Deutschen Historischen Institut Warschau. 2016 wurde sie an der Universität Warschau habilitiert. 2018 war sie Gastprofessorin am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (Schwerpunkt Polen) der Johannes Gutenberg Universität-Mainz sowie Research Fellow am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Sie unterrichtet am Institut für Gegenwartskultur der Universität Łódź.
Seit dem 1. April 2024 Direktorin des Deutschen Historischen Instituts Warschau. » Mehr
Sackgassen der Erinnerungskultur. Am grünen Strand der Spree und die Remedialisierung des Holocausts
Im Projekt werden Prozesse des Vergessens bzw. des »Außenvorbleibens« von kulturellen Texten und Bildern untersucht. Dies wird anhand einer plurimedialen westdeutschen Fallstudie aus den 1950ern und frühen 1960ern analysiert: 1955 erschien das Buch Am grünen Strand der Spree von Hans Scholz. 1956 wurde es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Feuilletonroman abgedruckt und als Hörspiel inszeniert (SWF). 1960 strahlte die ARD die Verfilmung aus. Im ersten Teil aller Fassungen wurde die Geschichte eines Wehrmachtsoldaten erzählt, der die Ermordung von sowjetischen Juden in der belarussischen Stadt Orscha beobachtete. Trotz der quantitativ intensiven Rezeption verschwand Am grünen Strand der Spree aus dem kulturellen Gedächtnis der Bundesrepublik.
Für die Untersuchung der Nicht-Erinnerung sowie der Rolle von Am grünen Strand der Spree im Medienwandel der Bundesrepublik muss sowohl der Rezeptions- als auch der Produktionsprozess analysiert werden: Wie kam es zur Veröffentlichung jener Schilderung, die die Grenzen des damals Sagbaren überschritt? Wer entschied über Aufnahme des Manuskripts in Verlag und Zeitung? Wie kamen das Hörspiel und der Fernsehfilm zustande? Wie reagierten Leser, Hörer und Zuschauer? Wie wurde die Darstellung von individuellen Rezipienten und professionellen Rezensenten wahrgenommen?
Am Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft soll ein theoretischer Zugang zu den Prozessen des medialen Nicht-Erinnerns konzipiert werden. Im Vordergrund stehen medienbezogene Aspekte, wie die Wechselwirkung zwischen Literatur, Rundfunk und Fernsehen, die Materialität der Medien sowie deren Verhältnis zur westdeutschen Erinnerungskultur. Das Projekt kombiniert empirische Archivarbeit mit theoretischen Überlegungen. Erste Annäherungen an das Thema zeigen, dass die Geschichte von Am grünen Strand der Spree ein Geflecht von Wiedersprüchen bildet. Deswegen öffnet sich die Arbeitsweise auf historische »Sackgassen«.
Saryusz-Wolska, Magdalena (2022): Mikrogeschichten der Erinnerungskultur. „Am grünen Strand der Spree“ und die Remedialisierung des Holocaust. Berlin and Boston: De Gruyter York, open access: https://doi.org/10.1515/9783110745528
Saryusz-Wolska, Magdalena (2023): Microhistories of Memory. Remediating the Holocaust by Bullets in Postwar West Germany, trans. Alexander Simmeth, New York and Oxford: Berghahn Books.
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S. Filmgeschichte im medialen Kontext: Film in der Volksrepublik Polen (1945-1989)
Dozent:in: PD Dr. Magdalena Saryusz-Wolska -
S. Medien und kulturelle Erinnerung
Dozent:in: PD Dr. Magdalena Saryusz-Wolska -
SLS. Angeleitete Sichtung zum S. Filmgeschichte im medialen Kontext: Film in der Volksrepublik Polen (1945-1989)
Dozent:in: PD Dr. Magdalena Saryusz-Wolska
SoSe 2020