»Künstliche Intelligenz. Informationstechnologien zwischen Mensch und Maschine«

Projektseminar im Masterstudiengang Medienkulturwissenschaft im SoSe 2023 unter Leitung von: Univ.-Prof. Dr. Gabriele Schabacher und Dr. Franziska Reichenbecher

 

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KI-Technologien werden für unseren Alltag und unsere Gesellschaft immer relevanter. Jenseits ihrer sicherheitstechnischen, militärischen und wissenschaftlichen Nutzung begegnen uns KI-Systeme auch in der Popkultur - bei der Übersetzung von Texten, der Empfehlung von Serien und Musik, bei Kaufvorschlägen und in Kommunikationssituationen. Waren frühe Ansätze Künstlicher Intelligenz in den 1950er Jahren noch stark begrenzte Visionen von Neurophysiologen, Informatikern und Psychologen, rücken KI-Systeme heute als Akteure in gesellschaftlich und politisch relevante Bereiche ein, die ethische Entscheidungen betreffen und mit diskriminierenden Wirkungen einhergehen. Da ihr epistemischer Status zwischen Wissenschaft und Werkzeug changiert, sind KI-Systeme gleichermaßen Gegenstand akademischer Forschung und Akteure in ökonomischen Anwendungszusammenhängen. Vor diesem Hintergrund sind KI-Technologien als Medien zu verstehen, die Einfluss auf gesellschaftliche und epistemologische Verhältnisse nehmen. Aus medienkulturwissenschaftlicher Perspektive ist daher zu fragen, mit welchen Eigenlogiken sie einhergehen, welche Formen von Wissen und Macht sie ausprägen, welche Gewordenheiten sie mitführen und wie sie Kulturen und Institutionen (Intimität, Bildung, Gesundheit, Sicherheit etc.) transformieren.

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Das vierstündige Projektseminar hat sich zunächst mit historischen Herkünften, epistemologischen Voraussetzungen, ethischenKonsequenzen und politischen Logiken von KI-Technologien beschäftigt und die mit ihnen einhergehenden Subjektivierungsformen sowie ihre Voreingenommenheit problematisiert. Auf Grundlage dieser medientheoretischen und -historischen Reflexion haben die Studierenden individuelle Forschungsprojekte entwickelt, die konkrete Anwendungsfälle von KI in den Blick nehmen. Die Themen umfassen die Interaktion mit Chat- und Griefbots, die Darstellung von KI in Filmen und Games, ihren Einsatz in Kunst und Musik, im Gesundheitsbereich und im Feld spiritueller Praktiken, in der Pornografie, für politische Propaganda sowie die Regulierung von KI und deren Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Die Auseinandersetzung fand dabei im Format selbst produzierter Desktop Documentaries statt.Die redaktionelle Entstehung der zehnminütigen Videoclips wurde u.a. durch die Diskussion der Storyboards in der Seminargruppe begleitet. Bei der technischen Umsetzung unterstützte das ZAP – Zentrum für Audiovisuelle Produktion der JGU Mainz. Jede Desktop Documentary wurde schriftlich aufgearbeitet von einem analytischen Kommentar, der Methode, Forschungsstand und medientheoretischen Ertrag reflektiert.

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